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Deutschland lügt sich hoch, zu Gutenberg

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Greifswald, Freitag, 25. Februar 2011

Nichts ist unmöglich – zu Gutenberg

Als ich mit angeblichen 31 Jahren meine damals 18jährige Verlobte vor dem Hamburger Standesamt heiratete, verschwieg ich mein tatsächliches Alter. Erst als die Ehe offiziell besiegelt war, erfuhr meine Nun-Ehefrau, dass ich die 40 Lebensjahre längst überschritten hatte. Die Heirat war per Urkunde anerkannt! Bei der Prüfung zur Fahrerlaubnis habe ich abgeschrieben: Der Führerschein blieb ebenfalls gültig! Keiner hat meine Betrügereien aufgedeckt oder versucht, mich zu entlarven.

Sie fragen: Was assoziiert hier mit der Sache zu Gutenberg?  Auch ihm wurde im Jahre 2006 seitens des Doktorvaters, Prof. Peter Häbele bestätigt, dass „seine Wahrheit“, nach eingehender Kontrolle, kein Plagiat sei. Weiterhin bemerkte der Professor:“ Herr zu Gutenberg war einer meiner besten Doktoranten.“ (Zitat, Frankfurter Rundschau, 16. Februar 2011)

An der Universität Bayreuth promovierte im Jahre 2007 das damals noch unbekannte CSU-Mitglied,  zu Guttenberg mit der Bestnote und „summa cum laude“ zum Dr. jur. Gemäß der Promotionsordnung § 3 dieser Universität, gehörten der Prüfungskommission außer dem Dekan, noch vier Professoren an, die lange zuvor die Unterlagen und die Dissertation des Doktoranten eingehend zu prüfen hatten.

Mit Sicherheit hätte man hier wie da, einem „Karl Müller“ diese Arbeit „um die Ohren gehauen“ und zusätzlich ein Strafverfahren wegen Diebstahl geistigen Eigentums eingeleitet!

Wenn jedoch der 35jährige verheiratete Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jakob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg, als gestandener Familienvater und hochgradig Adeliger, seine Dissertation einreicht, die zuvor von einem ebenso populären, verehrten Professor, Peter Häberle, mit „Eins“ bewertet wurde, sieht die Sache anders aus. Und, wenn abschließend  die Universität seines Heimatlandes Bayern diese Arbeit auch noch „summa cum laude“ beurteilt, hat alles eine andere Präsenz und ist natürlich dem Stand gebührend zu bewerten.

Seit zu Gutenbergs Promotion sind nun über vier Jahre ins Land gegangen. Niemand hat in der Zwischenzeit das gemeinsam gezimmerte Lügengerüst zum Einsturz gebracht.  Erst jetzt hat die politische Opposition den Kairos genutzt, um den ungeliebten, aber vom Volk umjubelten Emporkömmling zur Strecke zu bringen.

Wohl wissend, dass seine „wissenschaftliche Arbeit“ dem blaublütigen Adelsbruder Münchhausen zur Ehre gereicht hätte, konnte Herr Verteidigungsminister nun nicht umhin, in Anlehnung an den Soldateneid, sein Plagiat tapfer zu verteidigen. Andernfalls sind seine Komplizen, Prof. Häberle und die Dekane der Uni-Bayreuth  ebenfalls der Lüge und Urkundenfälschung zu bezichtigen.

Denn; niemand wird ernsthaft glauben, dass den honorigen Examinatoren nicht auffallen musste, dass von den insgesamt 475 Seiten der Dissertation, 271 Seiten, mehr als 50%,  zum Teil wortgetreu abgeschrieben wurden.

Taktische Maßnahme des ehemaligen Soldaten zu Gutenberg: Hinhaltend kämpfender Rückzug. Stetig wünschend, dass der Gegner sein Pulver bald verschossen hat! Als sich jedoch herausstellte, dass die Gegenseite immer mehr Munition ins Gefecht werfen kann, wedelt man verzweifelt mit der „Fehlerfahne“.

Tatsache zu sein scheint, dass dieser Eklat ist nicht in erster Linie ein Produkt des Freiherrn zu Gutenberg ist, sondern die Fauxpas wurden schon vor der Verleihung des Diploms erzeugt. Bereits hier hätte ein vernichtendes Qualitätsurteil wegen offensichtlicher Ignoranz des Absolventen, samt seiner Dissertation, die Verleihung der Doktorwürde verhindern müssen.

Wahrscheinlich ist hier ein Mensch wieder mal Opfer seiner Umgebung geworden. Wenn er feststellt, dass sogar unsere geistige Elite derart liederlich arbeitet und schlampig beurteilt, muss er zwangsläufig ableiten: „Ich bin der Genius.“ So gebiert man Arroganz!

Alles entschuldigt nicht den besagten Täter. Insbesondere als oberster Vorgesetzter aller Soldaten ist ein Verteidigungsminister zur Wahrheit, zum Vorbild und zur Zuverlässigkeit verdammt. Als ehemaliger Stabsunteroffizier im Gebirgsjägerbataillon 233 sollte Herr zu Gutenberg noch wissen, dass erst nach der Beurteilung der Lage, der Entschluss folgt. Dieser ist nach ehrenhaften, verantwortungsvollen Grundsätzen zu fassen. Hier hat zu Gutenberg nicht nur die Reihenfolge gewechselt, sondern, auch den Pfad dieses Grundsatzes vorsätzlich verlassen! Als Soldat wäre er gemäß Wehrstrafgesetz (WStG §42, 3. Unwahre Meldung), für diese Missetat zu einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren verurteilt worden.

Hinsichtlich der politischen Panne ist auch der Bundeskanzlerin, Dr. Merkel, zu widersprechen: Der CSU-Politiker, Karl Theodor zu Gutenberg, hat nicht nur als Mensch gefehlt, sondern er ist vornehmlich als Verteidigungsminister und Vorbild für die Soldaten, wegen der unwahren Meldungen zu bestrafen und folglich unehrenhaft zu entlassen.

*** Hüten wir uns davor, dass es zukünftig auch noch heißt: „Deutschland lügt sich hoch!“

Eckhard Zuschlag

 

*** Abgewandeltes Zitat: Thilo Sarrazin

Bemerkung zum Sprachgebrauch:

Mit allen Funktionsbezeichnungen sind Frauen und Männer in gleicher Weise gemeint. Eine sprachliche Differenzierung im Wortlaut der einzelnen Regelungen wird nicht vorgenommen.

 

Fortsetzungsroman über Greifswald im Internet

EINE HALBE MILLION GRÜNDE
Ein Roman im Internet, ab dem 27. November 2006 auf:
www.pratzke.de

In Greifswal und seiner herrlichen Umgebung wird es spielen, das mit Abstand größte Abenteuer im Leben des Michael Pratzke, genannt Pratze.

Pratze, ein grundsolider Student, dem finanziell das Wasser bis zum Hals steht, droht aus seiner Wohnung zu fliegen. An die Chance des schnellen Geldes glaubend, lässt er sich in einen Marihuana-Deal hineinziehen, der jedem Beteiligten eine halbe Million einbringen soll. Kurz darauf steht eine mit mehreren Hundert Jungpflanzen bestückte Cannabis-Aufzuchtanlage in seiner Wohnung – und nichts ist mehr, wie es war…

Ab sofort lässt Pratze alle Interessierten an seinem Abenteuer teilhaben. Woche für Woche wird er auf unserer Site als Blog schreiben und als Podcast erzählen, was er unter normalen Umständen niemals getan hätte. Aber die Umstände sind nicht normal, und das Pratze tut, was er tut, dafür gibt es EINE HALBE MILLION GRÜNDE.